Karneval – Eine Statistik mit regional begrenzter Aussagekraft

19. Februar 2009

Heute findet sich im Kölner Stadt-Anzeiger eine kleine Meldung zu einer Allensbach-Umfrage über den Karneval. Derzufolge nimmt die „Zahl aktiver Karnevalisten“ immer weiter ab. Hier gibt es aus Kölner Perspektive ein paar launige Gedanken über die Wahrheit dieser Statistik für Köln, Ideen für eine Soziologie des Karnevalfeierns und den endlich erkannten Grund für die langjährige Erfolgslosigkeit des 1. FC Kölns.


Frank Millers nicht durchdachte Gedanken

9. Februar 2009

Am Wochenende las ich ein SZ-Interview mit dem vor allem als Comic-Autor berühmten Frank Miller vom letzten Donnerstag. Dabei fühlte ich mich als „moderner westlicher Mann“ am Ende des Interviews ein wenig angesprochen.

SZ: Samurais, Spartaner, Detektive aus den Vierzigern – erfüllt der moderne westliche Mann nicht mehr den Typus des Helden?

Miller: Der moderne westliche Mann ist verzweifelt auf der Suche nach seiner Heldenhaftigkeit. Ich glaube fest daran, dass unsere geschlechtsspezifischen Merkmale so unveränderbar sind wie die menschliche Natur. Wenn ich deshalb immer wieder zur Figur des Kriegers zurückkehre, dann deshalb weil sich im Kampf männliche Heldenqualitäten reflexhaft zeigen. Einfach nur seine Rechnungen zu bezahlen und seine Familie zu ernähren, ist nicht besonders heldenhaft.

SZ: Eine ganze Generation junger Väter schreit gerade auf.

Miller: Sollen Sie. Um eine Held im klassischen Sinn zu sein, muss man etwas Überlebensgroßes leisten, ein viel größeres Risiko eingehen. Manchmal ist es auch eine Frage der Umstände. Etwa der Adrenalinstoß, der eine Mutter dazu befähigt, ein Auto hochzuheben und ihr Baby zu retten. So was passiert wirklich.

Süddeutsche Zeitung, 5. Februar 2009

Nicht jeder Künstler ist der beste Interpret seines eigenen Werks, wenn er es in größere Bedeutungszusammenhänge einordnen will. Natürlich sind kurze Interviews nicht gerade dazu angetan, ein komplexes soziales Geschehen einzuordnen, aber wenn ein Künstler es nicht schafft, auf einer Strecke von acht Sätzen widerspruchsfrei zu sein, beginne ich seiner Analysefähigkeit zu misstrauen. Was natürlich nur dann zudem von kunstkritischem Interesse wäre, wenn er in seinem Werk die Deutung von gerade diesem aktuellen sozialem Geschehen zum künstlerischen Gegenstand macht. Wie weit das Fall ist, vermag ich nicht zu sagen.

Aber es fällt doch sehr auf, dass Frank Miller von der Unveränderbarkeit geschlechtsspezifischer Merkmale redet und von verzweifelten Männern, die in der Gegenwart keine Helden mehr sein können, obwohl es in ihrer Natur liegt, solche sein zu wollen. Wenn dann unter gewissen Umständen aber sogar eine Frau so eine richtige Heldin werden kann, wie wirkt dann nun das Naturhafte in uns? Frauen werden Heldinnen beim Zivilschutz und Männer im Kampf des Krieges? Man sieht, so ganz ist sein biologisch fundiertes Deutungskonzept unserer Gesellschaft nicht durchdacht. Vielleicht sollte man das aber auch gar nicht so wichtig nehmen, ist eben Feuilletongerede und gehört zu den Weihezeichen von Kultur, denn, wie wir wisssen, verlangt die interessierte Öffentlichkeit beim modernen westlichen Künstler die Aura der Bedeutsamkeit auch über dessen Werk hinaus. Das kriegt der dann allemal leichter hin als der moderne westliche Mann seine Heldenhaftigkeit.


RuhrTriennale – Spurensuche Rap

4. September 2008

„Duisburg, Landschaftspark Nord, gestern Abend. Ein Konzert im Rahmen der RuhrTriennale: Spurensuche Rap. Doch weder das traditionelle RuhrTriennale Publikum – wie leicht lässt sich Tradition in dem Zusammenhang schon schreiben, auch ein Erfolg des Festivals – also weder mittleres Alter aufwärts, noch das von den Rappern gewohnte jugendliche Publikum kam in großer Zahl nach Duisburg und so war die Gebläsehalle nur etwa zu einem Drittel gefüllt. Alle, die nicht da waren, selber schuld, sage ich da. Denn sie haben ein tolles Konzert verpasst…“

So ähnlich habe ich das nach dem Konzert am letzten Freitag gepostet. Nun habe ich es versehentlich gelöscht. Die alt bekannten Kinderkrankheiten im Umgang mit dem neuen System. Ich will das Ganze jetzt hier nicht noch einmal schreiben. Aber die Künstler haben es verdient noch einmal erwähnt zu werden, sei es Adé Bantu – intensiv und energiereich Afrobeat meets Rap, sei es Mariama, akustische Gitarre, eine beeindruckende Stimme und zwei swingende Songs, seien es die deutschen Hiphop-Legenden Torch und Toni L, die pointierte Zeitkritik rappen und auf der Bühne Party machen wollen.

Also, ich weiß jetzt, was ich in Zukunft nicht mehr mache und überlege, die Datenbank doch auf dem eigenen PC zu verwalten. Aber da stehen noch so viele Fragen vor…