Wer in den 70er Jahren im Duisburger Wedaustadion mit Fußball groß wurde, dem ist die Stimme dieses Mannes unvergessen. Günter Storck war Stadionsprecher. Die „Stimme der Wedau“ wurde er blumig genannt, und dieser Ehrentitel wird nun angesichts seines Todes wieder hervor geholt – in einer Zeit, in der der Medienfußball jederzeit bereit ist, mit allen Traditionen zu brechen und sich gleichzeitig so oft verzweifelt müht, die Kraft solcher Traditionen lebendig zu halten. Günter Storck ist am 27. September gestorben, und ich kann mir den Verweis auf diesen Nachruf nicht verkneifen. Denn Günter Storcks Rezititationen deutscher Volks- und Gebrauchslyrik in den Halbzeitpausen der Fußballspiele haben mich nachdrücklicher auf den Klang von Gedichten aufmerksam gemacht, als es der Schulunterricht je vermocht hatte.
Der Sportjounalismus und der „Dämpfer“
26. August 2008Die 2. Liga fest im Blick, lese ich die Spielberichte nach den ersten beiden Spieltagen und komme zu dem Schluss, das Lieblingswort des Sportinformationsdienstes heißt zu Beginn der Saison „Dämpfer“. So weit ich das überblicke, gibt es außer Rostock zur Zeit keinen Verein, der oben mitspielen will, bei denen die Sportnachrichtenagentur nicht jenes Schlagwort aus dem Satzbaukasten der Sportberichterstattung genommen hat, das bei einigem Nachdenken derart inflationär doch erst in der Rückrunde einer Saison eingesetzt werden sollte.
Das Unentschieden vom MSV Duisburg gegen Hansa Rostock zum Saisonauftakt war dem Sportinformationsdienst etwa bereits einen „Dämpfer“ wert. Obwohl die Zuschauer begeistert über das Spiel einer völlig neu formierten Mannschaft waren. Obwohl die Verantwortlichen beim MSV zwar oben mitspielen wollen, aber auch wissen, dass das Potential der Mannschaft womöglich erst in der nächsten Saison ganz ausgereift ist. Man fragt sich dann, was glaubt ein Sportjournalist wird da gedämpft? Das muss doch irgendeigene Erwartung sein. Aber eigentlich ist das nur die Vorstellung einer Erwartung. Passt wunderbar ins Konzept des Berichterstatters. Denn so ein Text darf ja auf keinen Fall dämpfen, so ein Text muss ja befeuern und da zählen nur heftige Gefühlsausschläge, wenn schon das Ergebnis nichts wirklich aufsehenerregendes hergibt. Aber lassen wir das. Sind alles nur alte Fragen. Interessiert ohnehin nur auf der Leitartikelseite, wenn mal wieder durch eine größere Panne bei der Berichterstattung an journalistische Verantwortung erinnert wird. Obwohl – Alltag ist mindestens ebenso wichtig. Bei mir war jedenfalls nach dem ersten Spieltag nichts gedämpft. Das will ich aber noch gesagt haben als Fan des Vereins aller Vereine.
Und noch eins: Die erste Niederlage von Rostock kommt bestimmt. Spätestens dann haben alle selbst und fremd ernannten Aufstiegsaspiranten ihren „Dämpfer“ erhalten und das Ganze beginnt wieder bei Null. Die Frage ist nur, was kommt nach dem „Dämpfer“? Der Genickschlag?
Verfasst von Ralf Koss
Verfasst von Ralf Koss