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22. September 2008 / Ralf Koss

RuhrTriennale – Meshell Ndegeocello & Allen Toussaint

Von Beginn an gehörte zur RuhrTriennale die Konzertreihe „Century of Song“. Wechselnde Kuratoren präsentieren in diesem Rahmen über die Jahre Künstler, die aus ihrer Sicht für den „Popular Song“ wichtig waren oder sind. Große Namen waren dabei, doch immer wieder gab es auch in Deutschland eher unbekannte Künstler zu sehen. Am letzten Wochenende nun brachte der diesjährige Kurator Joe Henry die Sängerin und Bassistin Meshell Ndegeocello und den erst in den letzten Jahren häufiger als Interpret eigener Songs auftretenden Allen Toussaint für ein Konzert in der Essener Lichtburg zusammen. Samstag war ich in Essen, und auch wenn Toussaint als Pianist, Songwriter und Produzent vor allem unter Musikern legendär ist, für mich war Meshell Ndegecello an dem Abend der eigentliche Star. Ich hatte noch nichts von ihr gehört und schon nach wenigen Minuten war erkennbar, hier offenbart sich jemand ganz im Vertrauen auf die Kraft von und den Schutz durch künstlerische Wahrheit. Mit ihrem Auftritt gewährte Ndegeocello den Blick in ihr Innerstes. Und damit meine ich nicht die Verwandlung von Biografie in Text oder Musik. Es geht nicht um Nabelschau. Vielmehr geht es um um das Erkennen von etwas Verletzlichem, das den Kern ihrer künstlerischen Wahrheit ausmacht.

Ihre Stücke waren von sehr unterschiedlichen Stilen geprägt. Lyrisch wirkende Songs wechselten ab mit Liedern, die von funkigen Bassläufen dominiert wurden. Manchmal war es mehr soulig, manchmal hörte man die Jazzwurzeln. Ihre dunkle Stimme macht Trauer und lautes Glück ebenso spürbar wie die leisen Momente von Melancholie und stiller Freude. Da steckt in dem einen Song das Weinen und kurze Zeit später scheint der Saal vom Jauchzen erfüllt. Es war ein großartiger Abend. Und dass ich hier nicht mehr über Allen Toussaint schreibe, heißt nicht, dass dieser Teil des Konzerts schlecht gewesen ist. Auch Toussaint brachte ein breit angelegtes Spektrum seiner Songs zur Vorstellung. Ihn hat das Publikum gefeiert. Außerdem erwies er sich als charmanter Botschafter des Mardi Gras, des Karnevals in New Orleans, als er einige Masken dem Publikum als Präsente überreichte. Doch neben meiner Begeisterung für Ndegeocello blieb nicht mehr viel Raum für die Songs des weiteren Abends.

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