Skip to content
13. Januar 2009 / Ralf Koss

Renan Demirkan und Gerhardt Haag im Kölner „Theater im Bauturm“

Seit Januar 2005 steht „Love Letters“ von A.R. Gurney im Kölner „Theater im Bauturm“ immer wieder auf dem Programm. In der Inszenierung von Martin Jürgens spielen Renan Demirkan und Gerhardt Haag ein Paar, das sich seit Kindertagen kennt, mag und die Chance auf die gemeinsame Wirklichkeit ihrer großen Gefühle fast ein ganzes Leben verpasst. Am 31. Januar gibt es die nächste Vorstellung des Repertoire-Stücks.

Als ich Ende Dezember das Stück gesehen habe, wurde es für mich vor allem durch Renan Demirkan zu einem besonderen Theaterereignis, auch oder gerade weil im Verlauf des Abends die Handlung des Stücks für mich immer mehr in den Hintergrund rückte. Das Stück selbst legt das in gewisser Weise an, konzentriert sich der Blick durch die Briefform des verfassten Textes und der sich daraus ergebenden monologisierenden Spielweise doch in einem steten Wechsel auf die beiden Schauspieler. So entsteht ein Nacheinander der Emotionen und das Spiel zwischen beiden ist immer ein Spiel, das die Abwesenheit des anderen bei gleichzeitiger geistiger Hinwendung zeigen muss. Die Figuren werden so aus dem zeitlichen Kontinuum immer ein wenig herausgeholt und ihre Entwicklung erlebt man in Stufen als Zustände.

Auch Gerhardt Haag spielt seine im Stück blasser angelegte Rolle auf beeindruckende Weise von der konventionellen Lebensbahn mit deren ritualisierten Umgangsformen bis zum späteren emotionalen Ausbruch. Renan Demirkans Rolle bietet dagegen ein umfangreicheres Spektrum an spielbaren Gefühlen. Und je länger die Vorstellung dauerte, desto mehr wurde das Stück in meiner Wahrnehmung zu reinem Spielmaterial, das sich Renan Demirkan für ihre Schauspielkunst zunutze macht. Mein Sehen glich immer mehr dem eines Konzertbesuchers, der Musik ja auch zunächst als direkten Ausdruck von Kunst erlebt und wenn überhaupt erst später als Mittel für eine Aussage über die Welt. Renan Demirkans Spiel wurde zu dieser reinen Kunst für mich, und noch einmal: das schmälert keinesfalls die schauspielerische Leistung Gerhardt Haags. Ihre Präsenz, ihre Ausgestaltung dieser schillernden Frauenfigur mit deren Glück und Trauer, mit deren kindlicher Naivität und deren späterer Bitterkeit der vom Leben enttäuschten Frau, in der immer noch die alte Verletzlichkeit spürbar ist, das alles beeindruckte und ließ in dem kleinen Theaterraum mit seiner intensiven Nähe zur Bühne jede andere Welt vergessen.

Die Vorstellung am 31. Januar wird nicht die letzte sein, und wer sich von Kunst berühren lassen möchte, sehe sich Renan Demirkan im „Theater im Bauturm“ an.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: