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9. Februar 2009 / Ralf Koss

Frank Millers nicht durchdachte Gedanken

Am Wochenende las ich ein SZ-Interview mit dem vor allem als Comic-Autor berühmten Frank Miller vom letzten Donnerstag. Dabei fühlte ich mich als „moderner westlicher Mann“ am Ende des Interviews ein wenig angesprochen.

SZ: Samurais, Spartaner, Detektive aus den Vierzigern – erfüllt der moderne westliche Mann nicht mehr den Typus des Helden?

Miller: Der moderne westliche Mann ist verzweifelt auf der Suche nach seiner Heldenhaftigkeit. Ich glaube fest daran, dass unsere geschlechtsspezifischen Merkmale so unveränderbar sind wie die menschliche Natur. Wenn ich deshalb immer wieder zur Figur des Kriegers zurückkehre, dann deshalb weil sich im Kampf männliche Heldenqualitäten reflexhaft zeigen. Einfach nur seine Rechnungen zu bezahlen und seine Familie zu ernähren, ist nicht besonders heldenhaft.

SZ: Eine ganze Generation junger Väter schreit gerade auf.

Miller: Sollen Sie. Um eine Held im klassischen Sinn zu sein, muss man etwas Überlebensgroßes leisten, ein viel größeres Risiko eingehen. Manchmal ist es auch eine Frage der Umstände. Etwa der Adrenalinstoß, der eine Mutter dazu befähigt, ein Auto hochzuheben und ihr Baby zu retten. So was passiert wirklich.

Süddeutsche Zeitung, 5. Februar 2009

Nicht jeder Künstler ist der beste Interpret seines eigenen Werks, wenn er es in größere Bedeutungszusammenhänge einordnen will. Natürlich sind kurze Interviews nicht gerade dazu angetan, ein komplexes soziales Geschehen einzuordnen, aber wenn ein Künstler es nicht schafft, auf einer Strecke von acht Sätzen widerspruchsfrei zu sein, beginne ich seiner Analysefähigkeit zu misstrauen. Was natürlich nur dann zudem von kunstkritischem Interesse wäre, wenn er in seinem Werk die Deutung von gerade diesem aktuellen sozialem Geschehen zum künstlerischen Gegenstand macht. Wie weit das Fall ist, vermag ich nicht zu sagen.

Aber es fällt doch sehr auf, dass Frank Miller von der Unveränderbarkeit geschlechtsspezifischer Merkmale redet und von verzweifelten Männern, die in der Gegenwart keine Helden mehr sein können, obwohl es in ihrer Natur liegt, solche sein zu wollen. Wenn dann unter gewissen Umständen aber sogar eine Frau so eine richtige Heldin werden kann, wie wirkt dann nun das Naturhafte in uns? Frauen werden Heldinnen beim Zivilschutz und Männer im Kampf des Krieges? Man sieht, so ganz ist sein biologisch fundiertes Deutungskonzept unserer Gesellschaft nicht durchdacht. Vielleicht sollte man das aber auch gar nicht so wichtig nehmen, ist eben Feuilletongerede und gehört zu den Weihezeichen von Kultur, denn, wie wir wisssen, verlangt die interessierte Öffentlichkeit beim modernen westlichen Künstler die Aura der Bedeutsamkeit auch über dessen Werk hinaus. Das kriegt der dann allemal leichter hin als der moderne westliche Mann seine Heldenhaftigkeit.

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