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2. März 2009 / Ralf Koss

Männertristesse mit leiser Hoffnung im Ruhrgebiet

Am Tag des Pokalspiels gegen Borussia Mönchengladbach steht Georg Brandner, der Trainer vom FC Schalke 04, unter Druck. Ohne Sieg wird seine Stellung im Verein immer unsicherer. Schon jetzt hat er das Gefühl, der Vorstand steht nicht mehr hinter ihm.

Wer jetzt überlegt, wann denn dieser Brandner Trainer in Schalke gewesen ist, sollte nicht in seinem Fußballgedächtnis kramen, sondern sich an die Filme junger Regisseure  erinnern. Dann wird er vielleicht wissen, 2007 war Brandner der Schalke-Trainer – in „Autopiloten„, dem Debutfilm von Bastian Günther. Mit dem Film beginnt die „Renaissance Medien“ die DVD-Reihe  „Neue Deutsche Filme„,  in der ab diesem Monat regelmäßig die Werke junger deutscher Regisseure herausgegeben werden.

In „Autopiloten“ ist der von Walter Kreye gespielte Georg Brandner einer von vier Männern im mittleren Ruhrgebiet, von denen Bastian Günther in seinem Film erzählt, deren Leben sich zwar kaum berühren, die aber eins gemeinsam haben, wirklich gut geht es ihnen an dem einen Tag ihres geschilderten Lebens nicht. Bastian Günther verzichtet in „Autopiloten“ auf einen starken Plot, vielmehr wirkt es sehr alltagsnah, undramatisch und dokumentarisch, wie er die einzelnen Geschichten um die vier Männer miteinander verwebt. Deshalb aber auch hat der Film manchmal Längen, wenn man verstanden hat, wo die Männer in ihrem Leben stehen.

Die zwei älteren Männer, Brandner und ein von Manfred Zapatka gespielter ehemals erfolgreicher Schlagersänger, haben die beste Zeit ihres Lebens hinter sich und versuchen mit mürrischem Standhalten oder Selbstbetrug sich mit den neuen Gegebenheiten in ihrem Leben zurechtzufinden. Die Leben der beiden Männer mittleren Alters, ein von Wolfram Koch gespielter, frei arbeitender Videoreporter und ein von Charly Hübner gespielter Vertreter für Badewannenlifte wirken glück- und zuweilen sogar trostlos. Diese Trostlosigkeit durchzieht den ganzen Film. Dennoch hat er vor allem wegen des kämpferischen Naturells des Videoreporters nicht durchweg die Schwere, die man nun vermuten könnte. Als einziger der vier Männer übernimmt er wider allen ersten Anscheins Verantwortung in der Beziehung, die wirklich wichtig in seinem Leben ist, die zu seinem Sohn. Auch wenn sich alle vier Männer in unterschiedlicher Weise an den Wahrheiten ihres Lebens vorbeimogeln wollen, ist er derjenige, der trotz seines wenig erfolgreichen Lebens am ehesten bei sich ist und diese fortwährende Suche nach Sinn und Glück im Spannungsfeld zwischen Beruf und Privatheit am ehrlichsten bestreitet.

Bei den vier Figuren gelingt die Verbindung von differenzierter Ausgestaltung der Psyche und Blick auf die Lebenumstände nicht gleich gut. Vor allem die Szenen um den Profifußball als Brandners beruflichem Hintergrund wirken sehr holzschnittartig. Das liegt daran, dass die Figur Brandners im Gegensatz zu den anderen drei Figuren wenig erzählerischen Raum in ihren privaten Momenten erhält. So treten die Schwierigkeiten des Berufs in den Vordergrund und diese sind nun in der Kürze der Erzählung eher klischeeartige Versatzstücke aus dem Unterhaltungsgewerbe Fußball.

„Autopiloten“ wirkt aber nicht nur durch die Figurengeschichten. Bastian Günther greift zudem mit seinen Bildern stimmig Atmosphärisches des Ruhrgebiets auf. Dieses Atmosphärische – auch in den Figurengeschichten selbst – zeichnet den Film aus. Als Grundmotiv wirken dabei die die Region durchschneidenden Autobahnen und deren immer rauschender Verkehr. Ein Bild auch für den berührungslosen Alltag der Menschen, der einfach abläuft und dahin geht. „Autopiloten“ ist nach meinem Geschmack etwas zu lang geraten und mir manchmal in seiner Tristesse etwas zu aufdringlich. Dennoch ist Bastian Günthers Debut alles in allem gut gelungen und es lohnt, den Film anzusehen.

Autopiloten.
Regie: Bastian Günther
Darsteller: Walter Kreye, Manfred Zapatka, Charly Hübner, Wolfram Koch
DVD ab € 14,99

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