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21. Oktober 2011 / Ralf Koss

Kindheit im Ruhrort der 50er und 60er Jahre

Ruhrort war die Welt meiner Kindheit. Dort habe ich bis zu meinem sechsten Lebensjahr auf der Dr.-Hammacher-Straße gewohnt. Dort bin ich weiterhin zur Grundschule an der Fürst-Bismarck-Straße gegangen, als wir nach Meiderich umzogen. Ruhrort und der Rhein waren für mich Teil einer lichten Welt. Für mich lag Ruhrort eigentlich an der Nordseeküste gleich neben Katwijk, wo ich einmal für einen kurzen Urlaub war. Schon Meiderich gehörte zum dunkler werdenden Landesinneren, Oberhausen war tiefstes Festland. Grau, staubig und trocken.

In Ruhrort gab es immer den Rhein, wo alles hell und weit wurde. Selbst die größten Dinge wurden beim Blick rheinabwärts ganz klein. Das war anders als im Landesinneren, wo Häuser die Sicht versperrten und alles Große hinter der nächsten Ecke verschwand. Im Hafen lagen die Dinge offen. Nichts behinderte meine kindliche Neugier. Schiffe waren beim An- und Ablegen zu beobachten. Abgedeckte Planken gestatteten Blicke in die Bäuche eines jeden Lastschiffs. Die Kräne als riesige Vögel mit großen gefährlichen Schnäbeln auf der anderen Seite des Hafenbeckens verlangten Respekt. Ich konnte mir aber selbst ein Bild von ihnen machen anders als von den Hochöfen. Der Hafenmund, das Eisenbahnbassin und die Mühlenweide gehörten immer zu meinem Zuhause. Für den Haniel-Spielplatz an der Dr.-Hammacher-Straße galt das einige Zeit auch, doch spätestens ab der Einschulung war er nur noch etwas für kleine Kinder.

Es gibt eine Sehnsuchtswelt Ruhrort für mich. Gestern Morgen beim Frühstück merkte ich, wie intensiv auch der heute nicht mehr vorhandene Haniel-Spielplatz diese Sehnsuchtswelt mit Gefühlen speist. Ich blätterte in der September-Ausgabe von Blickpunkt Ruhrort und mit einem Schlag war lebendig, was damals noch nicht Sprache war. Was reine Lust an heißen Sommertagen im Spielplatzsand war. Was spannungsvolles Hangeln an Klettergerüsten war, wo aus den Wasserdüsen dieser Klettergerüste in den 60ern kaum einmal Wasser kam und die immer vorhandene Hoffnung auf den Spaß beim Toben im Nassen so oft enttäuscht wurde.

Auf Seite neun dieser Ausgabe von Blickpunkt Ruhrort wird mit kurzem Text und drei Fotos an den Haniel-Spielplatz erinnert. Ich vermute, die Fotos sind nicht allzu lange nach der Eröffnung 1956 aufgenommen worden. Ich war damals noch nicht auf dieser Welt, dennoch machte sich das kleine Kind in mir von jetzt auf gleich mit schillernden Gefühlen bemerkbar. Nicht viel hatte sich nämlich in der Zeit bis zu den 60ern am Spielplatz verändert. Die Pflanzen rundherum waren größer geworden. Die Schlangenbemalung der Betonröhren hatte ich nicht mehr gekannt. Der Anblick der Spielgeräte war mir vertraut. Das war mein Zuhause. Dieses öffentliche Gelände war ein Teil von mir. Das ist es immer noch.

Auf der Unternehmensseite von Haniel sind weitere Fotos vom Haniel-Spielplatz zu sehen. Die meisten dieser Fotos sind offensichtlich zu dokumentarischen Zwecken der Spielplatzarchitektur gemacht worden. Einige wenige zeigen das Kinderleben Ende der 50er und was dabei sofort auffällt, wie viele Kinder auf diesem Spielplatz zu sehen sind.

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