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19. Juni 2015 / Ralf Koss

Auch Duisburg steht mit Köln zusammen

2015-06_keupstr_BirlikteIn meiner ganz eigenen Heimatstadt grenzt das rechtsrheinische Köln direkt an Duisburg. Der Weg von einem Viertel ins andere ist kurz für mich. Ich bin ein kölscher Duisburger, ein Duisburger Kölner. Ich bewege mich in zwei Vierteln, deren Lebensweisen in vielen Dingen von unterschiedlicher Kultur geprägt sind. Weil dieses Duisburg und das Ruhrgebiet mir viel bedeuten, sieht jeder der mich näher kennenlernt, aber vor allem den Duisburger in mir. In Köln frozzeln mich Freunde an, wenn es um den Pott geht und um Duisburg im Speziellen. Ich stehe als Mensch für die Region. Wenn Duisburg überregional Schlagzeilen macht, bin ich sofort angesprochen und meine Meinung ist gefragt. Wenn der MSV Duisburg verliert, bekomme ich milden Spott ab. Wenn die Loveparade immer noch nicht juristisch aufbereitet ist, wird von mir weitergehende Information erwartet.

Den türkischstämmigen Deutschen wird so etwas bekannt vorkommen. Sie stehen als Deutsche auch noch für etwas anderes. Dabei kommt es mir beim Blick auf mein eigenes Umfeld – auf Freunde, Nachbarn und Bekannte – so vor, trotz aller Probleme geht es vielen Deutschen mit türkischen Wurzeln längst schon so wie mir in Köln. Vielleicht verlagern sich Schwierigkeiten seit einiger Zeit auf Menschen anderer Herkunftsländer, dennoch halte ich es für wichtig, den Blick auch auf dieses Gelingen von Zusammenleben zu werfen bei allem Bewahren von Unterschiedlichkeit.

Gestern gehörte für mich die Neuauflage von Birlikte – Zusammenstehen, Zusammenleben zu solch einem gelingenden Zusammenleben. Im letzten Jahr war das Kunst- und Kulturfest zum 10. Jahrestag des Nagelbomben-Attentat in der Kölner Keupstraße zunächst als einmalige Veranstaltung geplant gewesen. Doch angesichts von Pegida und extremistischem Terror aller Ideologien im letzten Jahr gab es nun eine Wiederholung des Kunst- und Kulturfestes, um gegen “Intoleranz und Fremdenhass, gegen religiösen und nationalistischen Terror jedweder Couleur” ein Zeichen zu setzen und gemeinsam einzustehen “für eine offene und friedliche Stadtgesellschaft”.

Gemeinsamkeit ist nicht einfach da. Sie wird von uns geschaffen in Momenten zufriedenen Beisammenseins. Wer viele solcher Momente erlebt, wird Konflikte besser aushalten. Er wird wissen, warum es sich lohnt, im Streit unangenehme Gefühle zu erleben, die Menschen für einige Zeit auseinander bringen. Deshalb sind solche Feiern der Gemeinsamkeit für eine Stadtgesellschaft so wichtig. Gestern war diese Gemeinsamkeit auf und vor den vielen Bühnen zu erleben. Es war gut, dort gewesen zu sein. Als Duisburger Kölner unterschied sich mein Vergnügen nicht von dem anderer Kölner, die Wurzeln in so vielen unterschiedlichen Kulturen und Nationen haben.

Teil dieses Vergnügens war die nicht erwartete Begegnung mit der Duisburger Heimat in Person von Peter Bursch und seiner Frau Marita, die als “Fründe” der drei Bläck Fööss, Bömmel Lückerath, Hartmut Priess und Peter Schütten, auf der Bühne standen.

Das Fööss-Lied “Unser Stammbaum” hätte gleichsam Motto-Lied des Kulturfestes sein können – zumal es nach der Fassung auf Kölsch auch noch auf türkisch gesungen wurde. Im Netz findet sich dieser Mitschnitt von der kölschen Fassung:

Vorsichtshalber gibt es für alle, die nicht nur beim Türkischen wenig verstehen, auch noch den kölschen Original-Text mit Übersetzung an den schwierigeren Stellen. Bei weiteren Verständnisschwierigkeiten, kläre ich gerne weiter auf.

Ich wor ne stolze Römer, kom met Caesars Legion,
un ich ben ne Franzus, ich kom mem Napoleon.
Ich ben Buur, Schreiner, Fescher, Bettler un Edelmann,
Sänger un Gaukler, su fing alles aan.

Refrain:

Su simmer all he hinjekumme,
mir sprechen hück (heute) all dieselve Sproch.
Mir han dodurch su vill jewonne.
Mir sin wie mer sin, mir Jecke am Rhing (Rhein).
Dat es jet (etwas), wo mer stolz drop sin.

Ich ben us Palermo, braat (brachte) Spaghettis für üch met.
Un ich wor ne Pimock (Flüchtling aus Ostgebieten nach 2. WK),
hück laach ich met üch met.
Ich ben Grieche, Türke, Jude, Moslem un Buddhist,
mir all, mir sin nur Minsche, vür‘m Herjott simmer glich

Su simmer all he hinjekumme,
mir sprechen hück all dieselve Sproch.
Mir han dodurch su vill jewonne.
Mir sin wie mer sin, mir Jecke am Rhing.
Dat es jet, wo mer stolz drop sin.

De janze Welt, su süht (sieht) et us,
es bei uns he zo Besök.
Minsche us alle Länder
ston bei uns hück an de Thek.
M‘r gläuv, m‘r es en Ankara, Tokio oder Madrid,
doch se schwade (sprechen) all wie mir
un söke (suchen) he ihr Glöck.

Su simmer all he hinjekumme,
mir sprechen hück all dieselve Sproch.
Mir han dodurch su vill jewonne.
Mir sin wie mer sin, mir Jecke am Rhing.
Dat es jet, wo mer stolz drop sin.

Su simmer all he hinjekumme,
mir sprechen hück all dieselve Sproch.
Mir han dodurch su vill jewonne.
Mir sin wie mer sin, mir Jecke am Rhing.
Dat es jet, wo mer stolz drop sin.

Die türkische Fassung und auf der Saz gespielt gibt es im Netz (noch) nicht in voller Länge. Zudem habe ich den Namen des Interpreten vergessen. Wer nachreichen kann, gerne!

Der türkische Text kann außerdem gerne unten vervollständigt werden.

Fotos von dem Auftritt gibt es drüben im Zebrastreifenblog. Nur den Text habe ich mir von dort übergeholt..

2. Juni 2015 / Ralf Koss

Zum Weiterklicken: Neuer Beitrag – 111 Orte im Ruhrgebiet, die uns Geschichte erzählen

Drüben auf der Seite von 111 Orte im Ruhrgebiet, die uns Geschichte erzählen geht es heute um die Ruhr-Universität Bochum als erster Hochschule im Ruhrgebiet, wo vor 50 Jahren der Lehrbetrieb aufgenommen wurde.

Mit einem Klick weiter zum Beitrag.

28. Mai 2015 / Ralf Koss

Zum Weiterklicken: Neuer Beitrag – 111 Orte im Ruhrgebiet, die uns Geschichte erzählen

Drüben auf der Seite von 111 Orte im Ruhrgebiet, die uns Geschichte erzählen geht es heute um Seifenkistenrennen in Duisburg.

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28. Mai 2015 / Ralf Koss

Die 7. offene Lesebühne in Duisburg-Hamborn für junge Texter und Autoren am 3. Juni

Bühne frei für Texte von jungen Duisburgern. So heißt es am 3. Juni wieder in der Bezirksbibliothek Hamborn um 16.30 Uhr. Einmal im Halbjahr bietet DU schreib(s)t, das Duisburger Netzwerk für literarisches Schreiben von Jugendlichen, im Norden Duisburgs eine offene Lesebühne, damit junge Duisburger sich mit ihren Werken dem Publikum präsentieren können. Alle jungen Schreibenden sind gefragt. Jeder kann kommen. Jeder erhält die Möglichkeit, seinen Text zu lesen.

DU schreib(s)t – 7. offene Lesebühne
Junge Duisburger lesen aus ihren Texten
Ort: Bezirksbibliothek Hamborn, Schreckerstr. 10
Zeit: 3. Juni 2015 um 16.30 bis ca. 18.00 Uhr

Bei Lampenfieber stehe ich als Moderator des Nachmittags den Jugendlichen zur Seite. Was gelesen wird, bestimmen die jungen Duisburger selbst. Das können sowohl Rap als auch Liedtexte sein oder nur ein Gedicht. Es kann eine Kurzgeschichte sein oder der Ausschnitt einer längeren Erzählung. Von der Teilnehmerzahl hängt ab, wie viel Auftrittszeit jemand auf der Bühne bekommt.

Anmelden wäre schön, aber selbst der spontane Sprung auf die Bühne ist möglich. Wer schon jetzt weiß, dass er am 17. Dezember auf die Bühne möchte, schreibt eine E-Mail an ralf.koss[at]web.de oder ruft im Jugendzentrum Zitrone unter 0203-479 48 88 an.

DU schreib(s)t – Eine Initiative von Lemonhaus e.V.
Im Programm vom Kulturrucksack NRW
in Kooperation mit
Jugendzentrum Zitrone, Jungs e.V., jugendstil – kinder- und jugendliteraturzentrum nrw, Bezirksbibliothek Hamborn, Förderschule Kopernikusstraße, Gesamtschule Emschertal, Elly-Heuss-Knapp-Gymnasium, Gesamtschule Meiderich,
Max-Planck-Gymnasium, PSAG– Psychosoziale Arbeitsgemeinschaft Duisburg, Bürgerhaus Neumühl

13. März 2015 / Kees Jaratz

Was verrät Dortmunds Fußballoperette über die Ruhrstadt?

Einmal ist “Roxy und ihr Wunderteam” in dieser Spielzeit noch auf der Dortmunder Opernbühne zu sehen. Einmal noch gibt es übermorgen, am 15. März, die Gelegenheit, sich selbst ein Bild davon zu machen, mit welch großartiger Leistung die Dortmunder Oper in die Bresche spang, als der BVB noch nicht die erhofften Resultate auf dem Rasen zustande brachte. Wenigstens dort konnte das Publikum über eine Fußballwelt in Begeisterung ausbrechen, wenn der BVB mal wieder verlor.

Wer die Chance am Sonntag nicht ergreift, verpasst mitreißende Musik, wunderbare Choreografien, große Stimmen und ein Ensemble voller Spielfreude, das boulevardeske  Komik zu nutzen weiß. Der Fußball als Milieu trägt die Handlung, und eine grundsätzliche Frage aller Fußballtrainer treibt diese Handlung voran: Schadet die Liebe der sportlichen Leistung? Roxy ist nämlich die Braut, die sich nicht traute. Aus der Hochzeitsmesse heraus flüchtet sie kurz vor dem Jawort in das Hotelzimmer eines Fußballers. Der hat als Kapitän seiner Mannschaft gerade vom Trainer den Auftrag erhalten, die Vorbereitung auf das nächste Spiel ohne Alkohol und Frauen bei einem Trainingslager in der ungarischen Provinz zu gewährleisten. Nur so könne eine erneute desaströse Niederlage verhindert werden. Klar, dass die Mannschaftskollegen ganz anderer Meinung sind, und ebenso klar, dass der Vormund von Roxy, der schottische Mixed-Pickles-Produzent Cheswick, und ihr an Liebeskummer leidender Bräutigam ihr hinterher kommen.

1937 hatte das Stück seine gefeierte Premiere in Budapest. Ein Jahr später erlebte es in Wien noch einmal eine längere Aufführungsdauer. Für den Komponisten jüdischer Herkunft Paul Abraham sind diese Aufführungsorte gleichzeitig Fluchtorte. Die großen Erfolge im Berlin der Weimarer Republik waren für ihn mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten vorbei. Paul Abraham verbindet in seiner Musik die unterschiedliche Traditionslinien der klassischen Operette, des Schlagers und des Jazz. Seine Lieder werden zur Popmusik seiner Zeit, die heute nichts an Frische verloren hat. Roxy und ihr Wunderteam ist lebendige, großartige Ruhrgebietskultur.

Unschwer ist zu erkennen, beschwingt und begeistert habe ich im Dezember das Dortmunder Theater nach meinem Besuch von “Roxy”  verlassen.  Jedes Mal hätten die Aufführungen bis jetzt ausverkauft sein müssen. Sie waren es nicht. Was uns weniger etwas über das Interesse der Dortmunder am Stück mitteilt als über den Zustand jener gemeinsamen Ruhrstadtkultur, die von den wirtschaftsfördernden Meinungsmachern der Region gerne als großer Standortvorteil angepriesen wird. Immer wieder wird in den Imagebroschüren dieses Bild von der vielfältigen Kulturlandschaft bemüht. Dennoch merkt man ihm die Werbebotschaft zu sehr an, weil sich diese Vielfalt nicht zu einer gemeinsamen kulturellen Öffentlichkeit bündelt. Die Botschaft soll ja in zwei Richtungen wirken. Einerseits soll damit der Scheinwerfer auf einen weichen Standortfaktor gerichtet werden, um das Ruhrgebiet für Unternehmer und gut ausgebildete Arbeitskräfte attraktiv zu machen. Andererseits soll sie aber auch das Selbstverständnis der Region stärken. Kreative sollen in der Ruhrstadt gehalten werden, und gerade daran hapert es nur allzu oft.

Wer tatsächlich die Kreativwirtschaft befördern und die Ruhrstadtkultur stärken will, muss ein besonderes kulturelles Ereignis dieser Ruhrstadt wie “Roxy und ihr Wunderteam” besonders wahrnehmen. Kultur als Konsumangebot für ansiedlungsbereite Arbeitskräfte klingt attraktiv, Strahlkraft erhält diese Kultur aber nur, wenn sie zudem als Milieu wahrgenommen wird, als lebendige, produktive Szene. Diese Geschichte von der lebendigen, originellen Ruhrstadtkultur wäre über “Roxy und ihr Wunderteam” zu erzählen. Denn an der Dortmunder Oper war man sich bewusst, dass die Aufführung einer unbekannten Vaudeville-Operette mit der Musik von Paul Abraham kein Selbstläufer beim Publikum sein wird. In einer gut funktionierenden kulturellen Öffentlichkeit der Ruhrstadt hielten es die Meinungsmacher der Region für ihre Pflicht, sich diese Aufführung anzusehen. Sie wäre wegen der besonderen Geschichte ihrer Wiederentdeckung zusammen mit dem Fußball-Thema als einem beliebten Ruhrstadtsujet ein gesellschaftliches Ereignis. All das ist nicht geschehen. Das erklärt, warum trotz der in den Ruhrstadt-Stadtteilen so vielfältig vorhandenen kulturellen Aktivitäten, so viele kulturell interessierte Ruhrstädter das Gefühl haben, in anderen Städten sei es um die Kultur besser bestellt.

Die Wiederentdeckung von “Roxy und ihr Wunderteam” ist auf allen Ebenen ein Ergebnis ureigener Ruhrstadtkultur. Die Dramaturgin der Oper, Wiebke Hetmanek, hat für die Vaudeville-Operette eine aufführbare Bühnenfassung aus unterschiedlichen Quellen rekonstruiert. Auch die Partitur wurde in Dortmund von Henning Hagedorn und Matthias Grimminger neu erarbeitet. Die Dortmunder Oper hat nicht nur die Grundlage für ihre beeindruckende Aufführung geschaffen, sie hat ein fehlendes Stück Musikgeschichte wieder hergestellt und eine von den Nationalsozialisten gerissene Lücke wieder gefüllt. Sie hat sich die Aufgabe selbst auferlegt, einem Werk dieses geschändeten Teils deutscher Kultur wieder zu Wirken und Würde zu verhelfen.

All das erschließt sich nicht von selbst. Die Aufführung ist Alltag des Dortmunder Opernbetriebs. Ihr fehlt der Event-Charakter wie ihn etwa die Ruhrtriennale mit sich bringt. Standortwerbung ist das eine, gelebte Kultur das andere. Die Vielfalt ist da, für das wirksame Selbstbild fehlt auch bei der Kultur wieder das auf die gesamte Region bezogene öffentliche Gespräch. Wer die Kulturlandschaft als Standortfaktor für wichtig erachtet, kommt nicht umhin, sich auch um dieses Gespräch über das ganz normale Geschehen eines Ruhrstadtkulturjahres zu kümmern. Nur dann nimmt das Ruhrgebiet selbst das eigene kulturelle Wirken auch wahr. Zwangsläufig ergibt sich die Frage, wo ist der Ort für dieses Gespräch?

 

Mit einem Klick weiter zu den Informationen beim Theater Dortmund über das Stück.

Mit diesem Klick weiter zu allen Beiträgen des inoffiziellen Akzente-Programms im Zebrastreifenblog.

11. März 2015 / Kees Jaratz

36. Akzente Duisburg – Das inoffizielle Begleitprogramm im Zebrastreifenblog

Momentan ist in Duisburg bis zum 22. März das Programm der 36. Akzente zu sehen. In diesem Jahr lautet das Motto des Kulturfestivals “Heimat”. Drüben im Zebrastreifenblog begleite ich die Akzente-Wochen mit einem inoffziellen Heimat-Programm. Mit einem Klick geht es weiter zu den bislang erschienen Programmbeiträgen.

13. Januar 2015 / Kees Jaratz

HEROES Duisburg – Gelingendes Miteinander der Kulturen

Drüben im Zebrastreifenblog habe ich über gelingendes Miteinander der Kulturen im Duisburger Jugendzentrum Zitrone geschrieben. Nach dem Terroranschlag auf Charlie Hebdo wollte ich zeigen, wie dort, in Obermarxloh, Strukturen entstanden sind, die dieses Miteinander im Alltag Duisburgs festigen. Die einzelne Begegnung mag als flüchtiger Moment vergehen, auf solche Strukturen lässt sich aufbauen.

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